Safer Work heißt, dich und deinen Körper zu schützen und möglichst sicher zu arbeiten. Dafür sind einige Dinge wichtig.
Absprachen sind das A und O im Sexbusiness, um schwierige Situation zu vermeiden. Triff die Verabredungen vor dem Sex, dann kommen keine bösen Überraschungen auf dich zu.
Wichtig ist, dass ihr Euch beide an die Absprachen haltet. Dann hast du vielleicht einen neuen Stammkunden und es spricht sich herum, dass du ehrliche Angebote machst. Ein Anbahnungsgespräch hilft dir auch, dein Gegenüber besser einzuschätzen. Dabei kannst auch entscheiden, ob du den Kunden generell bedienen möchtest oder nicht. Und ihr vermeidet Missverständnisse und Schwierigkeiten.
Möglicherweise bist du als Sexarbeiter schon in Gewaltsituationen geraten. Gewalt mit einem Freier, mit anderen Jungs oder Leuten, die in der Szene auf Streit aus sind.
Wenn du eine Gewaltsituation erlebst, zögere nicht die Polizei zu rufen. Oder bitte jemanden in deiner Nähe, es zu tun. Die Notrufnummer der Polizei funktioniert auch, wenn du kein Guthaben auf deinem Handy hast, oder das Handy ausgeschaltet ist. Auch von Telefonzellen kann man die 110 oder 112 kostenlos anrufen.
Bei allen Formen der Gewalt, Erpressung oder sexuellen Nötigung solltest du dir in jedem Fall Unterstützung holen, die dir hilft mit der Situation fertig zu werden. Erzähle einem Freund davon oder wende dich an uns. Wenn ein Kunde übergriffig geworden ist, merke dir, wie er aussah, wo er wohnt oder wer ihn sonst noch kannte. Wenn du den schwierigen Weg zur Polizei nicht alleine gehen willst, kannst du bei uns Unterstützung bekommen. Wir können dir sagen, was du tun kannst und dich zur Polizei, zur Staatsanwaltschaft oder zum Gericht begleiten.
Wenn du Opfer Anti-Schwuler Gewalt wirst, kannst du dich auch an ein schwules Überfalltelefon wenden. Dort wird dir zuallererst das Gespräch angeboten, außerdem begleiten sie Opfer und Zeugen von Übergriffen auf deren Wunsch zur Polizei, zur Staatsanwaltschaft und zum Gericht, wenn sie Anzeige erstatten oder Aussagen machen möchten. In Köln erreichst du das schwule Überfalltelefon über die Internetseite www.koeln19228.de oder unter der Telefonnummer 0221/19228. Auch in anderen Städten gibt es Angebote.
Bei anderen Gewalterfahrungen kann dir die Telefonseelsorge ein guter Ansprechpartner sein. Freecall: 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222
Wenn du Gewalt mit einem Freier erlebt hast, erzähle unbedingt den anderen Jungs im Sexbusiness davon. Denn häufig sind diese Männer Wiederholungstäter und auch andere Jungs können in Gefahr geraten.
Sich gegenseitig zu warnen, ist ein wichtige Vorsichtsmaßnahme. Eine andere besteht darin, deinen Arbeitsplatz, die Menschen dort und auch die Freier kennen zu lernen. Rede vor dem Sex mit den Freiern und frage andere Sexarbeiter nach ihren Erfahrungen mit dem Kunden.
Viele Gewaltsituationen kann man vermeiden. Gewalt entsteht nur selten plötzlich und unerwartet. Häufig schaukeln sich Situationen hoch und es kommt schon vor den Übergriffen zu Beschimpfungen oder Drohungen. Auch die Körpersprache spielt eine große Rolle. Wenn du merkst, dass eine Situation immer aggressiver wird, mach nicht mehr mit. Je früher du aus der Spirale der Gewalt aussteigst, umso besser. Wechsel das Thema, zeig deinem Gesprächspartner, dass du ihn respektierst, sprich einen anderen Gast am Tresen an, verlass den Raum, flüchte in eine Kneipe oder ein Geschäft. Und wenn eine Situation schon sehr weit eskaliert ist, hilft häufig nur eins: Hau ab. Sonst kannst du sicher sein, dass du auch einen verpasst bekommst. Zuschlagen hat mit Ehre wenig zu tun, eher mit Dummheit. Wer selbstbewusst ist, schützt als erstes sich selber und lässt sich nicht provozieren.
Die Polizei hat neben der Strafverfolgung und der Vorbeugung von Kriminalität folgende Befugnisse:
Anschaffen an sich ist nicht verboten, aber trotzdem könnte die Polizei an einer Personenkontrolle bei dir interessiert sein. In der Regel geht die Polizei in der Prostitutionsszene der Drogenkriminalität oder Diebstahldelikten nach. Also hat die Polizei größeres Interesse an Drogen, die du möglicherweise bei dir trägst, als an deiner Tätigkeit als Sexworker. Ob du ordentlich Steuern abführst, interessiert die Polizei in der Regel nicht.
Auch arbeitet die Polizei mit Platzverweisen, wenn man sich zu lange oder zu auffällig an öffentlichen Orten aufhält. Das heißt, dass du auch allzu offensichtliches Anschaffen in der Öffentlichkeit vermeiden solltest. Wenn die Polizei mal auf dich aufmerksam wird, dann bleibe ruhig und sei am besten kooperativ.
Die Polizei kann dir aber auch in schwierigen Momenten zur Hilfe kommen. Du solltest in Notsituationen mit einem Freier nicht zögern die Polizei zu rufen. Wende dich an die Polizei, wenn du mitbekommst, dass andere in einer Zwangslage stecken. Wenn dir jemand im Internet begegnet, der mit Gewalt droht oder Kinderpornografie anbietet, melde ihn bei der Polizei. Im Internet findest du Telefonnummern von den entsprechenden Stellen, oder geh zur nächsten Polizeiwache. Du kannst auch online eine Anzeige machen.
Auch wenn sich ein Freier weigert deine Dienstleistung zu zahlen, solltest du das Problem lieber die Polizei lösen lassen. Häufig lässt sich ein Freier dadurch schon abschrecken.
Wenn du eine Gewaltsituation oder Erpressung erlebt hast, solltest du eine Anzeige erstatten. Hole dir dafür ruhig Unterstützung bei einer Beratungsstelle in deiner Nähe. Wenn du wissen möchtest, was bei einer Anzeige passiert, findest du detaillierte Informationen auf der Seite www.polizei-beratung.de oder wende dich an uns.
Drogen, wie Cannabis, XTC, Koks, Speed, Poppers und auch Alkohol spielen im Sexbusiness häufig eine Rolle. Die beste Vorraussetzung für Safer Sex und Safer Work ist: Beim Anschaffen lass die Finger von Drogen, denn du brauchst einen klaren Kopf!
Wenn du Drogen gebrauchst, solltest du über die Wirkung Bescheid wissen. Lass dir nichts andrehen, was du nicht kennst. Vor allem nicht von Freiern, die du nicht kennst.
Häufig verstärken Drogen deine Gefühle und Stimmungen. Je schlechter es dir geht, umso vorsichtiger solltest du mit Drogen umgehen. Wenn du dich freier und unbefangener fühlst, dann verschwimmen oft die Grenzen. Du gehst vielleicht weiter als du willst und als es dir gut tut. Der Kunde könnte deinen Zustand ausnutzen.
Auch wenn es oft angesagt ist mit dem Freier etwas zu trinken, solltest du darauf achten, die Kontrolle zu behalten. Wer Alkohol im Blut hat, neigt dazu sich selbst zu überschätzen und Risiken nicht mehr ernst zu nehmen. Außerdem kann er sich in gefährlichen Situationen schlechter wehren. Auch der Gebrauch von Cannabis ist nicht unproblematisch. Wichtig ist, dass du dir klar darüber bist, dass Cannabis unterschiedlich wirkt. Die Gefühlsveränderungen können von grundloser Euphorie bis zu depressiven Verstimmungen reichen. Die Konzentrationsfähigkeit, das Zeit- und das Realitätserleben werden herab gesetzt.
Von halluzinogenen Drogen wie LSD, Pilzen, DOM oder MDA solltest du während der Arbeit in jedem Fall die Finger lassen.
Nimm niemals Poppers und Viagra zusammen ein, das kann zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.
Die Wirkungsweisen von Drogen und vieles mehr findest du in unseren Tipps für Jungs, die anschaffen.
Mehr Infos zu Drogen und ihren Wirkungen findest du im Internet. Wenn du mal genau wissen willst, wie Drogen in deinem Körper wirken und welchen Weg sie gehen, ist die Flashanimation „Drugs & Brain“ auf der Seite www.partypack.de ein guter Tipp. Auch sehr empfehlenswert die Seite www.drugcom.de. Dort kannst du im Bereich "check your drinking" nach einem 10-Minuten-Test sehen, wie es um deinen Alkoholkonsum steht und das Online-Projekt "quit the shit" bietet dir direkt im Netz eine gute Unterstützung, wenn du vom Cannabis-Konsum runterkommen möchtest. Auch kannst du erfahren, was es mit Therapie, Entzug und Selbsthilfe auf sich hat. Auf beiden Seiten werden allerlei Wirkstoffe und ihre Wirkungen vorgestellt.
Vielleicht merkst du, dass dein Drogenkonsum immer mehr zur Belastung wird. Oder dir fällt auf, dass du deinen Konsum nicht mehr kontrollieren kannst. Vielleicht möchtest du aufhören und schaffst es aus eigener Kraft nicht. Dann solltest du dir professionelle Unterstützung holen. Was du machen kannst oder wo du Hilfe bekommst, kannst du bei uns erfahren.
Die Prostitution ist ein Geschäft. Der professionelle Sexworker bietet sexuelle Dienste gegen Geld an. Wie in jedem Beruf gibt es auch als Sexworker bestimmte Dinge, die zum Job dazu gehören. Ein Profi kennt seinen Preis, weiß, was er anbietet und was nicht. Die Kunden schätzen seine Klarheit und seinen guten Service. Der gute Ruf von einem Profi im Bett spricht sich herum und macht es leichter, genügend Geld zu verdienen. Viele Regeln und Vorgaben, die in anderen Berufen wichtig sind, gelten für Sexarbeiter nicht. Es ist kein normaler Bürojob von 9.00 Uhr morgens bist 17.00 Uhr abends. Man hat keinen Chef, sondern ist selber für alles verantwortlich. Gerade deshalb solltest du dir einen eigenen, klaren Rahmen stecken und deine Regeln einhalten.
Der Escort und der Kunde sollten sich immer respektvoll und höflich begegnen. Ein freundlicher Umgangston ist für beide selbstverständlich, denn der Sex soll verbinden und entspannen.
Alle Fragen und offenen Punkte sollten zuvor in den Abmachungen besprochen werden. Sprecht eure gegenseitigen Wünsche und Erwartungen klar an. Dabei sollte nichts zu peinlich sein - schließlich will man sich später ja näher kommen. Der Ort des Treffens, der Preis, die Nebenkosten, die Leistungen und die Dauer des Treffens sollten ganz klar vereinbart werden. So könnt ihr nachträglichen Ärger vermeiden.
Mach dir klar, wie viel Geld du mindestens für Sex nehmen willst. Was ist dein Angebot wert? Geh nicht unter diesen Preis. Denn für ein professionelles Angebot kannst du eine angemessene Bezahlung erwarten.
Generell bietet das Internet viele neue Möglichkeiten. Man kann vorab alles per Messages im Detail klären. Überprüfe, ob der Freier ernsthaftes Interesse hat oder nur ein Faker ist - also jemand der falsche Angaben macht (to fake=täuschen). Da man als Escort nur schwer die Ernsthaftigkeit das Interesse des Kunden erkennen kann, sollte man möglichst schnell Telefonnummern tauschen und miteinander telefonieren. Man bekommt ein gutes Gefühl für das Gegenüber und kann den ersten Kontakt herstellen. Faker steigen hier im Allgemeinen schon aus. Dennoch sollte sich der Austausch in Grenzen halten, denn es geht ja nicht um Cybersex, sondern heißen realen Sex.
Sorge dafür, dass dein Körper sauber ist (außer, es wird speziell anders gewünscht). Duschen vor oder nach dem Sex gehört für Profis dazu.
Wenn du zur Zeit sexuell übertragbare Krankheiten, wie Syphilis, Tripper, Chlamydien, Hepatitis oder auch Filzläuse hast, herrscht striktes Sexverbot mit anderen! Werde erst wieder gesund und fit, dann macht der Sex umso mehr Spaß! Einigt euch klar auf die Safer-Sex-Spielregeln vor dem Treffen! Regelmäßige Arztbesuche sollten insbesondere für Escorts selbstverständlich sein.
Für ein Treffen müssen klare, ehrliche und eindeutige Adressangaben oder Treffpunkte vereinbart werden. Ihr solltet anerkennen, dass hier beide Partner vorausschauend und vorsichtig handeln. Es ist ja schließlich ein Treffen mit einem Unbekannten. Diskretion ist für beide Partner absolute Voraussetzung!
Allerdings kann es wichtig sein, dass du einem Freund oder einer Bekannten Bescheid sagst, wenn du das erste Mal mit einem Freier unterwegs bist, du auf Nummer sicher gehen willst oder du mit ihm für längere Zeit in Urlaub fährst. Sag deiner Vertrauensperson, wo und mit wem du dich triffst.
Je nach eigenen Vorlieben und Gegebenheiten kann man versuchen sich zu spezialisieren und eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Gerade viele ältere Escorts bieten SM-Praktiken an. Mach dich erst vertraut damit, bevor du ein solche Angebot machst. Und achte auch auf deine eigenen Vorlieben. Es macht sicherlich keinen Sinn sich als „passiven Boy“ zu verkaufen, wenn man 35 Jahre alt ist und passiven Analsex nicht mag.
Alkohol und Drogen können enthemmen und führen schnell dazu, dass beide Partner unkontrolliert reagieren und es zu Aggressionen oder dem Verlust von Sensibilität kommt. Weniger ist hier oft mehr!
In Konfliktsituationen solltest du immer ruhig bleiben! Anbrüllen, Gewalt oder Drohungen helfen nicht und verschärfen in der Regel die Situation.
Von Vorteil kann es sein, wenn du einen festen Arbeitspartner hast. So kannst du auch Treffen zu dritt abmachen und deine Angebotspalette erweitern.
Informiere dich über die gesetzliche Lage in Deutschland. Prostitution ist generell erlaubt, allerdings muss man sich an bestimmte Regeln halten (Steuerrecht, Sperrbezirk, Aufenthaltsrecht...). Mehr dazu erfährst du in unserem Kapitel Recht.
Escorts sind Sexdienstleister und machen ihren Job gut, wenn sie ihn auch gerne machen. Grenzen sollten grundsätzlich anerkannt werden und weder der Kunde noch der Escort zu etwas gezwungen werden, was er nicht möchte. Der Kunde profitiert davon, wenn der Escort sich wohl fühlt, denn dann wird der Sex entspannter und geiler. Der Escort hat ein Interesse daran, dass sich der Kunde wohl fühlt, denn dann kommt er bestimmt wieder.
Sex sollte dir Spaß machen. Wer nur mit Widerwillen an Sex mit Fremden denkt, ist im Sexbusiness nicht richtig. Klar, dass du nicht bei jedem Kunden richtig geil bist. Aber generell solltest du viel Lust auf Sex mitbringen. Nur so kommst du dauerhaft gut rüber und machst deine Arbeit gut. Wenn du dich vor deinem Job ekelst oder ihn nur sehr ungern machst, solltest du überlegen, ob er der richtige für dich ist.